Zum Abschied von Google Wave

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wavelogo.pngGoogle hat am 04.08.2010 angekündigt, dass die Weiterentwicklung von Google Wave eingestellt wird.

Das Kommunikationstool Google Wave wurde erst im Mai 2009 auf der Google I/O Konferenz in Kalifornien vorgestellt und hat eine riesige Welle der Vorfreude ausgelöst. “So würde EMail aussehen, wenn man sie heute erfinden würde” lautete die offizielle Beschreibung des Google Teams hinter seiner Entwicklung. Google Wave sollte die Kommunikation und Collaboration in Teams durch die Vereinigung der Funktionen von EMail, Instant Messaging, Online-Dokumenten und Wikis in einem Echtzeit-Tool verbessern.

Google hat zudem die Codes und Protokolle in einer Open-Source-Lizenz freigegeben, so das viele unterschiedliche Wave Federation-Server nebeneinander existieren könnten.

Zunächst wurde nur einem kleinen, exklusiven Kreis Zugang zur Pre-Version, der sogenannten Wave Sandbox gewährt. Ab September des vergangenen Jahres wurde der Kreis der Nutzer über ein Einladungsverfahren systematisch erweitert. Die Einladungen zur Betaversion waren heiß begehrt und haben sogar auf Ebay Summen um die 70 US$ erzielt.

Der erst große Batch an Einladungen stieß dann auf ein geteiltes, eher negatives Echo.
Die Hauptkritikpunkte:
– zu unübersichtlich und chaotisch
– interessantes Tool, aber wofür denn eigentlich?
– sehr schlechte Performance

Auch hier wieder, wie eigentlich von Anfang an bis heute: viele Stimmen à la “Wave ist irgendwie nichts Tolles, aber die Technologien und Ideen, die dahinter stecken, haben enormes Potenzial”

Erst zur diesjährigen I/O Konferenz wurde Google Wave für alle Nutzer geöffnet, zeitgleich, bwz. kurz zuvor hat Wave diverse Verbesserungen erfahren. Insbesondere die Performance ist mittlerweile hervorragend, nur noch selten kommt es zu Verzögerungen.

Viele Entwicklungen des vergangen Jahres basieren auf Google Wave, Anbieter wie SAP und Novell haben auf die neue, dynamische Kommunikation aus dem Hause Google gesetzt und hier in die Entwicklung neuer Produkte wie SAP Streamwork oder Novell Pulse investiert. Es bleibt spannend, wie dieses Angebot sich weiter entwickeln wird.
Der namhafte CRM-Anbieter Salesforce hat sich auch sehr früh zu Google Wave committed. Dort entstand ein hervorragendes Video wie ein Zusammenspiel von Kunde – automatisiertem Support-System – Kundenberater – Techniker im Hintergrund auf Basis von Google Wave funktionieren kann.

Hat Google zu wenig “die Welle“ gemacht? Außer in Google Apps wurde in keiner Anwendung aus dem Hause Google auch nur am Rande auf die Existenz und die Vorteile von Wave hingewiesen, das Tool konnte gar keine Massen ansprechen sondern war auf einige wenige Early Adopter beschränkt. Sehr geholfen hätte z.B. die Integration mit GMail. Die fehlende Verbindung zu Mail war für viele das Ende ihrer Google Wave-Erkundung.
Das Ergebnis am 05.08.2010 auf Google Trends nach “Google Wave” für die letzten 12 Monate weltweit:

googlewave-searchtrends.png

Schön zu erkennen: der letzte kleine Peak im Interesse (Marker “E”) war die Öffnung von Google Wave, d.h. man benötigte keine Einladung mehr, sondern lediglich einen Google Account. Dies hat leider zu keinem gesteigerten Interesse an Google Wave geführt. Einige vermuten, dass Google die Entwickler von Google Wave abgezogen hat, um an Google Me, also an Googles geplantem Social Networking-Produkt, zu arbeiten.   Einen der schönsten Kommentare zum Abschied von Google Wave habe ich bei Merlin Mann gefunden – er bringt es schön auf den Punkt, dass Wave für viele zu kompliziert zu nutzen ist:

Twitter-MerlinMann.png

Und nun noch die zwei abstrusesten Meinungen, die man so lesen konnte:
– Google hat Wave eingestellt, um von der Diskussion um
Googles Gespräche mit Verizon
abzulenken

– Google hat Wave eingestellt, damit sich Homo-Ehen-Gegner nicht mehr damit organisieren können (in den USA wurde so ziemlich zeitgleich das Homo-Ehe-Verbot in Kalifornien gekippt)

Gerne hätten wir (ich,Kerstin Simmer, Martin Klinke) unser Buchprojekt “Google Wave – die neue Dimension der Kommunikation” abgeschlossen. Das Manuskript ist fertig – Google Wave leider auch…

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